Ausflug zur Nordhelle [663m] im Ebbegebirge


Sonntag, 20.Februar 2005


-Wanderung durch mehr als einen halben Meter Schnee-


Wie es nun einmal hier im Ruhrgebiet ist, erlebt man hier selten ein großes Schneeereignis. Ganz anders dagegen nur wenige Kilometer südlicher. Häufig erlebt man dort heftigste Schneefälle, eisige Temperaturen und man denkt man wäre in einer anderen Welt. Einen riesen Gegensatz zum so schneearmen und winterfeindlichen Ruhrpott, häufig erlebt, selten so deutlich. Es begann mit der Fahrt auf der A45 (Sauerlandlinie), immer weiter Richtung Süden fahrend, vorbei an den ersten Höhen, zum Beispiel Hohensyburg im Süden Dortmunds. Dort schon locker 15cm Schnee, die Landschaft in dickes Weiß gehüllt, nur maximal 10 oder 15km von daheim entfernt. Man fährt weiter, man rätselt, wieso immer die, wieso nicht mal wir? Runter gehts ins Ruhrtal, alles grün und nass, Erinnerungen an daheim werden wach. Plötzlich Hoffnung, welch schöner Anblick, hinter Schwerte wieder die ersten weißen Hügel. Trotz mehr als 100 Sachen, man kann den Blick davon nicht lassen, erste Vorfeude auf das bevorstehende kommt hervor. Weiter gehts Richtung Hagen, wieder grüne Landschaften, eklige Industrie, alles grau, schnell weiter. Ab Hagen-Süd erneute Freude, es wird wieder weißer, in rasenden Schritten werden die Bäume kleiner, der Schnee höher. Man nähert sich 400 Höhenmetern, erste hohe Talbrücken werden durchquert, erste verschneite Tannen verraten die Nähe zum Schnee, das wichtigste hier im Winter, die Höhenlage. Sie entscheidet, ob weiß oder grün. Hinter Lüdenscheid beginnt der tiefe Winter, man befindet sich 500m über der warmen Nordsee, meist hier DER Totbringer des Winters. Die höchste Stelle um 550m wird durchfahren, links und rechts dicht verschneite Tannenwälder, unbemerkt hat es angefangen leicht zu schneien, die Sicht wird schlechter, Wolken in greifbarer Nähe. Runter geht's von der Autobahn, weiter per Bundesstraße, Richtung Ziel: Nordhelle! Am Fuße des 663m hohen Berges, erste richtige Straßenglätte, wir nähern uns von Süden dem Berg, 3km geht's hoch, zum Teil starke Steigungen. Solangsam sind die Straßen schneebedeckt, Neuschnee der letzten Nacht macht Probleme, auch Einheimische fahren vorsichtig. Links und rechts hohe Schneehaufen, Winterdienst kommt entgegen, der Schnee fliegt an die schon hohen Schneeberge am Straßenrand. Nach einigen Serpentinen und Bewältigung von 200 Höhenmetern in wenigen Kilometern ist man da, endlich Schnee, man greift nach ihm, will hier nicht mehr weg, freut sich wie ein kleines Kind. Auto wird auf 600m abgestellt, man hofft, dass man später auch noch runterkommt, hoffentlich nicht zu starke Schneefälle, während man nun unterwegs ist. Relativ ruhig und leer sind die Parkplätze, man freut sich, dass es nicht so überlaufen ist wie in Winterberg. Weiter geht's. Eine erste Karte verrät mir meinen Standpunkt, wo soll es hingehen, natürlich auf den Gipfel. 60 Höhenmeter sind noch zu Fuß zu bewältigen, kein Problem, man geht ruhig und genießt den tollen Anblick, den man sonst nur aus den Alpen, Harz oder Bayerwald kennt. Die gelbe Linie ist die Straße, die das Ebbegebirge von Norden nach Süden durchquert, wir sind zu Fuß vorbei an Nordhelle, Waldberg und Rehberg, auch westlich der Nordhelle, und westlich der Straße waren wir. Dort lag der meiste Schnee, wie unten noch zu sehen sein wird, vor allem im kleinen Tannenwald.



Erste Eindrücke werden festgehalten. Auch im Waldesinneren alles tief verschneit, starke Schneeschauer und -fälle müssen hier vor ein paar Tagen geherrscht haben.


Man geht auch einmal vom Wege ab: Unberührtheit - Ruhe - einfach wunderschön. Man erfreut sich an kleinsten Dingen, die man von daheim nicht kennt, solangsam kommen Neidgefühle auf, zu denen, die hier wohnen und es nicht zu schätzen wissen!


Der Neuschnee der letzten Tage lastet auf den kleinen Tannen, die Großen strahlen im weißen Gewand. Ab und zu kommt einem ein Langläufer entgegen, verdutzt schaut er einen an, was und warum man das alles fotografiert.


Unter der Neuschneedecke lagen noch rund 15 bis 20cm Altschnee, was die Schneedecke plus Neuschnee im Wald auf ca. 50 bis 60cm bringt, in ungeschützten Stellen bis auf 70cm oder zum Teil in Wehen erheblich mehr.


Nun gingen Roland und ich weiter Richtung Gipfel, erstaunt schauten wir an den Waldesrand, wo ein umgestürzter Baum aussah, wie eine Spinne, also eine "Schneespinne" :-)


Der Weg wurde schmaler, plötzlich verschwand er im Schnee, unbetretenes Terrain lag vor uns. Wo war der Weg hin? Zugeschneit?


Wir kehrten um und kamen an den Waldberg, der wenige Kilometer östlich der Nordhelle liegt. Wie viele Berge im Sauerland ist auch er mit einem Rundfunksender versehen. Die Wolkenuntergrenze lag bei ungefähr 700m.


Wir näherten uns unserem Ziel, als erstes fiel uns am Gipfel diese Wetterstation auf, sicherlich von Meteomedia!? (vielleicht kann es jemand bestätigen). Sie war an einem Dach eines Hauses befestigt.


Die Gipfeltanne vor uns, im Hintergrund der schon 200 Jahre alte Robert-Kolb-Turm. Hier eine kurze Info dazu: "Seit fast 200 Jahren ragt auf dem Kamm des Ebbegebirges (663 m) ein Turm gen Himmel. Den ersten Turm aus Stein ließ Kaiser Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichten, um mit dem Spiegeltelegraph möglichst rasch Nachrichten und Befehle verbreiten zu lassen. Dem Wunsch, von der Nordhelle aus weit über die Bergwelt des Sauerlandes Ausschau halten zu können, kam die Errichtung eines trigonometrischen Mals in Form eines stabilen Holzgerüstes aus starken Balken im Jahre 1890 entgegen. Im Dezember 1904 fiel die in einigen Teilen morsch gewordene Holzkonstruktion den Herbststürmen zum Opfer. Am 08. September 1912 konnte der Grundstein für einen neuen Turm auf der Nordhelle gelegt werden. Der Turm wurde nach dem SGV-Hauptwegewart Robert Kolb, dem Initiator des 1. größeren Wanderwegenetzes, benannt."


Die Klimainfos dürfen nicht fehlen! Ziemlich regenreich dort oben.



Danach ging es wieder bergab, Richtung Westen. Wir gingen in den westlichen Teil des Ebbegebirges, dort lag zum Teil mehr Schnee als auf der Nordhelle selber. Höhenlage war ca. 600 bis 630m. Etwas abseits des Waldweges war es am schönsten, unberührte Natur, Stille, man konnte den Alltag etwas vergessen und genießen. An dieser Stelle lagen locker 70cm.


Es begann nun stärker zu schneien (wie am Himmel zu erkennen ist), es war ungefähr 15 Uhr. Die Temperatur betrug -4°C, Wind gab es so gut wie keinen. Ein Wald von jungen Tannen versetzte uns ins Staunen. Hier gab es sogar etwas mehr Schnee als direkt am Gipfel, wir waren rund 2 km WSW des Gipfels. Welch schöner Anblick:


Entlang eines schmalen Trampelpfads gingen wir an den verschneiten Tannen vorbei, wir fragten uns warum es jetzt nicht Weihnachten sein konnte und wir mittendrin im Tiefschnee, zwischen den schlafenden Tannen.


Zwischen den Tannen, abseits des Weges - unberührt - versank man förmlich im Schnee, unsere Beine waren komplett im Schnee versunken, es gab Schneewehen bis über 1 Meter, manchmal verloren wir das Gleichgewicht in ihnen. ;-) Irgendwie schaut diese verschneite Tanne aus wie eine Kerze, dies fiel mir erst bei der Bildbetrachtung zuhause auf. Der Schnee und die Tannen schufen verschiedene Gestalten.


Der Schneefall wurde immer dichter (siehe Himmel), die Straßen waren sicherlich auch schon weiß, wir genossen die letzten Minuten im Schnee, machten noch kurze Abstecher in den Tiefschnee.




Wie es heute wohl hier aussieht. Es kamen rund 15cm oder mehr Neuschnee in der Nacht zu Montag runter, nachdem wir wegfuhren, begann es richtig stark zu schneien.


Unserer Weg, Blick zurück wo wir hergegangen sind. Gott sei dank gab es den kleinen Weg, ohne ihn wäre es schwierig geworden sich dort durchzuschlagen.


Unserer weiterer Weg, wieder in den Wald hinein, solangsam zurück in Richtung Parkplatz, Schneefall verstärkte sich weiter.


Eine der schneereichsten Stellen im Wald (!), also geschützt und oben recht dicht. Der Schnee scheint hier seitlich gefallen zu sein, oder von oben heruntergefallen. Noch jeder so kleine Ast war dick mit Schnee bepackt.


Am Parkplatz gab es ein paar Tische und Bänke, schön angerichtet mit Schnee. Hier erkennt man schön den Neuschnee der letzten Woche. Der Neuschnee davor wurde zum Teil schon runtergeweht. Gut, dass es die letzte Zeit fast windstill war. Locker 40cm liegen auf Tisch und Bänke, zum Teil auch mehr.


Wir verließen die Nordhelle nur zögernd, konnten uns kaum lösen, niemals zuvor hatte ich im Sauerland so viel Schnee gesehen, sicherlich gab es schon mehr, aber erstens war ich dann nicht dort und zweitens wollte ich keinesfalls ins Astengebiet, viel zu überlaufen und überfüllt am Wochenende. Da war die Nordhelle exzellent, wenig Leute, ruhige Lage, nur wenige Kilometer von der Autobahn entfernt und nur 60km von Dortmund entfernt. Ich empfehle den Leuten in der Umgebung (aus dem Pott) dort echt mal zur Zeit hinzufahren, lohnt sich wirklich sehr! Während unseres Ausflugs hat es ohne Unterbrechung leicht bis mäßig geschneit (erkennt man an den Bilder, wenn man den Himmel anschaut), das Ebbegebirge liegt optimal bei Nordwest- bis Nordostlagen. Es gibt einen guten Stau, so können auch mehrere Zentimeter pro Tag zusammenkommen, obwohl es woanders nicht schneit. Ein Schneegarant im Sauerland! Gegen 16 Uhr brachen wir Richtung Dortmund auf, wären aber noch gerne länger geblieben, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, es begann stark zu schneien, die Straßen waren ruckzuck weiß und sehr glatt. Die Abfahrt verlief noch recht ruhig, ab gings also auf die A45 bei Meinerzhagen, zuerst lief noch alles gut, es war alles frei, Sicht war gut. In Höhe Lüdenscheid-Süd begann es stärker zu schneien, die Sicht wurde schlechter, der Asphalt glatt, es bildete sich erster Stau.


In Höhe Lüdenscheid-Nord, Talbrücke Rahmede 370m über NN, wurde es solangsam chaotisch, die Geschwindigkeit auf der Autobahn verringerte sich auf 40km/h, Schneefall wurde stärker.




Richtung Hagen-Süd dann schneebedeckte Fahrbahn, wenig Sicht und nur noch Schrittgeschwindigkeit. Wir dachten schon, dass es gar nicht mehr besser wird, der Verkehr stand nach kurzer Zeit still, die Temperatur war unter dem Gefrierpunkt.





Wir kamen weiter Richtung Dortmund-Süd, auch dort war noch alles weiß, wir machten uns Hoffnung, dass es auch bei uns ein paar cm geschneit haben könnte. 5km vor unserer Ankunft wurde alles immer grauer und grüner, wir waren enttäuscht, aber zu gleich wunschlos glücklich so einen tollen Tag mit viel Schnee erlebt zu haben. Man sieht, wie knapp manchmal Wintermärchen und Matschwetter beieinander liegen, manchmal waren es nur 50 Höhenmeter. Ich hoffe mein Bilder- und Erlebnisbericht hat euch gefallen (und vielleicht etwas Feedback erhalte), auch wenn ich nicht mit mehr als 1m Schnee, wie im Harz oder in Bayern, dienen kann, es war für mich ein unvergessliches Ereignis, wir im Flachland NRWs freuen uns auch schon über 5 oder 10cm Schnee, mehr als 30cm Schnee sind für uns wie ein Traum, ein Traum, der hoffentlich auch mal hier im Flachland in Erfüllung gehen wird!
© David Wiltosch